Nach Daten­vorfall bei TikTok: Wie kann ich mich am besten schützen?

21.06.2022

Neue Vor­würfe bezüglich angeb­licher Daten­wei­tergabe bei der App „TikTok“ lassen auch Politiker:innen auf­horchen. Während die App sich zuneh­mender Beliebtheit auch bei Älteren erfreut, stellen sich viele die Frage: Sollte ich TikTok in meiner Öffent­lich­keits­arbeit nutzen? Unsere Antwort: Ja – aber dazu müssen sie drei Dinge beachten.

Das soziale Netzwerk „TikTok“ sieht sich dieser Tage schweren Vor­würfen aus­ge­setzt: Wie zuerst das US-Portal „Buz­zFeed News“ berichtete, konnte der chi­ne­sische Mut­ter­konzern „Byte­Dance“ wohl auf sen­sible Daten wie Tele­fon­nummern und Geburtstage von Nut­zenden in den USA zugreifen. Auch der deutsche Branchen-Blog „Online Mar­keting“ griff das Thema auf und zitiert Ange­stellte von Byte­Dance mit den Worten: „Alles wird in China ein­ge­sehen“. Das wider­spräche vor­her­ge­henden Aus­sagen, wonach die Daten aus den USA – wie auch aus Europa – nicht in China gespei­chert und von dort auch nicht abrufbar wären.

Sollten sich diese Anschul­di­gungen bewahr­heiten, wäre dies ein herber Rück­schlag für das Unter­nehmen. TikTok sieht sich ohnehin schon viel Miss­trauen vor allem seitens west­licher Politik aus­ge­setzt. So hat unter anderem der ehe­malige US-Prä­sident Donald Trump in seiner Amtszeit zwi­schen­zeitlich eine Ver­bannung der App ange­strebt. Er sah laut eigenen Aus­sagen die Gefahr, dass der chi­ne­sische Staat auf Daten zugreifen würde. Byte­Dance jedoch hat jed­weder Zusam­men­arbeit mit der chi­ne­si­schen Regierung wider­sprochen. Zudem habe es (laut eigenen Angaben) umfang­reiche Maß­nahmen ergriffen, die Daten nicht länger über China laufen zu lassen.

TikTok mit Ver­sprechen auf mehr Reich­weite erfolgreich

TikTok ist aktuell das am schnellsten wach­sende soziale Netzwerk in den USA und Europa. Dort konnte sich nach Instagram (2010) und Snapchat (2011) fast zehn Jahre kein neues soziales Netzwerk eta­blieren. Der Markt schien gesättigt, die Markt­macht vor allem von Facebook schien kaum angreifbar. In Märkten wie etwa China hin­gegen setzten sich andere Apps an die Spitze. Eine davon ist „抖音“ (Douyin), die später als Vorlage für die extra für den Westen pro­gram­mierte App TikTok gelten sollte. Deren Durch­bruch im Westen kam vor allem mit der Über­nahme sowie Fusion mit der ebenso chi­ne­si­schen App „musical.ly“ in 2018, die zuvor bereits hier­zu­lande Erfolge vor allem bei Jugend­lichen hatte.

Über­zeugen kann TikTok vor allem damit, zwei Schwach­punkten zu begegnen, auf die andere Platt­formen lange keine Ant­worten hatten: Krea­ti­vität und Reich­weite. Damit bspw. Politiker:innen in den sozialen Medien etwas erreichen konnten, mussten sie zum einen viele Leute davon über­zeugen, den eigenen Seiten zu folgen („Fol­lower“). Zum anderen war es nötig, durch besonders anspre­chende Inhalte ein gewisses Momentum zu erzeugen, welches dann zu erhöhter Auf­merk­samkeit führte.

TikTok hin­gegen dreht die Her­an­ge­hens­weise um: Hier schlagen so genannte „Trends“ einen mög­lichen Beitrag vor, welche Nut­zende für sich schnell nach­machen und umsetzen können. Auf der Haupt­seite werden einem zudem Bei­träge ange­zeigt, welche TikTok dort mit­hilfe eines Algo­rithmus plat­ziert – unab­hängig ob Nut­zende diesem Profil folgen oder nicht. Dadurch braucht es keine Krea­ti­vität und auch so gut wie keine Fol­lower. Erfolg in Form von Klicks, Likes und Kom­men­taren scheint hier vielen Nut­zenden ein­facher zu gelingen.

Viele Politiker:innen wollen Trend nicht verschlafen

Somit ist TikTok zunehmend auch für Politiker:innen inter­essant. Durch immer neue Berichte finden sich aber viele in einem Dilemma wieder: Auf der einen Seite wollen sie ihrem Anspruch an Öffent­lichkeit, Infor­mation und poli­ti­scher Wil­lens­bildung nach­kommen. Auf der anderen Seite fürchten sie um ihre Daten. Gerade jetzt, wo TikTok zunehmend nicht mehr nur Jugend­liche anspricht, wie in Deutschland bereits 2017/18 bei Instagram zu beob­achten, wollen hier viele den Anschluss nicht verlieren.

Ebenso ist zu erleben, dass die anderen Platt­formen bereits umfang­reich auf TikTok reagieren und befürchten, dass Nut­zende sich zu TikTok abwenden. So setzt der „Meta“ Konzern sowohl mit seinen Platt­formen Facebook als auch Instagram ver­stärkt auf soge­nannte „Reels“, welche nahezu iden­tisch mit den „TikToks“ sind. YouTube vom „Alphabet“ Konzern (vor allem bekannt durch seinen Dienst Google) ver­fährt mit der Ein­führung von „YouTube Shorts“ ähnlich. Da es ohnehin wichtig ist, neue Trends auf­zu­greifen, erstellen immer mehr ihre Bei­träge zuerst auf TikTok und teilen diese dann auf den anderen Platt­formen. Auch werden bei Meta zunehmend unter dem Mantel der „vor­ge­schla­genen Bei­träge“ diverse Inhalte von Seiten dar­ge­stellt, denen Nut­zende zuvor gar nicht gefolgt sind.

Drei wichtige Maß­nahmen, um sich zu schützen

Um sich mög­lichst breit zu schützen, müssen daher drei Maß­nahmen ergriffen werden: Beim eigent­lichen End­gerät, beim Passwort und bei den gerä­te­spe­zi­fi­schen Ein­stel­lungen. Zunächst sollten Politiker:innen das für TikTok (und unbe­dingt auch für andere soziale Netz­werke) genutzte End­gerät strickt von ihren pri­vaten End­ge­räten trennen. Das kann sowohl das genutzte Smart­phone betreffen als auch die Nutzung über einen Browser am PC. Ja: Es ist eine hohe Hürde, im Alltag mit vielen zusätz­lichen Geräten unterwegs zu sein. Aber: Es schützt private Tele­fon­nummern, Nach­richten und Daten am effi­zi­en­testen, da sie auf dem beruf­lichen End­gerät in der Regel nicht zu finden sein sollten.

Des Wei­teren sollte auf den Platt­formen ein anderes Passwort genutzt werden als bei den pri­vaten Konten. Es ist weit ver­breitet, ein Passwort für alles zu nutzen, da sich viele schlichtweg nicht mehr merken können. Mit­hilfe von Passwort-Managern sowie einer Mehrfach-Authen­ti­fi­zierung gibt es dafür aber prak­tische Lösungen. Auch sollte über­dacht werden, für alles die gleiche E‑Mail-Adresse zu nutzen. Hier umzu­stellen auf bspw. „tiktok@wahlkreis.de“ oder „facebook@wahlkreis.de“ schützt davor, dass Pass­wörter bei Daten­leaks in Kom­bi­nation mit der immer­gleichen E‑Mail-Adresse geklaut werden können.

Nicht zuletzt sollten Politiker:innen sich die Ein­stel­lungen in ihren End­ge­räten anschauen. Viele Apps haben im Smart­phone zu viele „Berech­ti­gungen“, etwa das Mit­lesen von SMS oder den Standort. Zur Nutzung der App sind diese aber oftmals gar nicht nötig oder schränken die Nutzung nur kaum ein. Diese Berech­ti­gungen sollten daher nicht gegeben oder nach­träglich ent­zogen werden. Wer zudem das neueste Betriebs­system etwa von Android nutzt, wird darauf auch regel­mäßig hin­ge­wiesen. Auch im Browser kann durch Erwei­te­rungen ver­hindert werden, dass Daten an die Platt­formen fließen.

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